Elektrophysiologie

10 Fragen zur Pulmonalvenenisolation

  1. 1. Wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben?
    Zwei Nächte, von denen die erste unter Monitorüberwachung erfolgt .

2. Muss ich Marcumar, Pradaxa, Xarelto, Eliquis, oder Lixiana pausieren?
Am Morgen vor der Prozedur sollten keine Blutgerinnungshemmer eingenommen werden. Bei Marcumareinnahme ist ein Ziel-INR von 2-3 anzustreben (bis zu einem INR von 3,5 wird eine Pulmonalvenenisolation durchgeführt). Eine Marcumarpause sollte daher nicht erfolgen.

  1. 3. Wie lange dauert die Pulmonalvenenisolation (PVI)?
    Vom Zeitpunkt der Punktion der Leiste bis zur Isolation aller Venen braucht es in der Regel etwa zwei Stunden. In dieser Zeit erfolgt die Platzierung der Arbeitskatheter, der linke Vorhof wird mittels einer 3D-Darstellung rekonstruiert, die Pulmonalvenen werden elektrisch isoliert und es werden abschliessende Tests durchgeführt, mit denen der Erfolg der durchgeführten Maßnahmen überprüft wird.

4. Erfolgt die PVI unter Narkosebedingungen?
Nein, aber keine Angst, Sie werden noch vor Punktion der rechten Leiste einschlafen und von der gesamten Prozedur nichts mitbekommen. Nach Entfernung der Leistenzugänge wird die während der gesamten Untersuchung verabreichte Schlafmedikation (Sedierung) beendet.
Da nur kurzwirksame Medikamente eingesetzt werden, wacht man bereits wenige Minuten nach Ende der Prozedur wieder auf. Eine Vollnarkose hingegen hätte den Verlust des Atemantriebs zur Folge und würde aufgrund der tiefen Bewußtseinstrübung eine Beatmung erforderlich machen, was nur für schmerzhafte Operationen angemessen wäre.

5. Was mach´ ich, wenn es nach der PVI wieder zu Rhythmusstörungen kommt?
An der  Spitze des Katheters, der etwa die Dicke einer Kugelschreibermine hat, befinden sich Elektroden, mit denen Hochfrequenzstrom in das Gewebe geleitet wird. Vergleichbar ist dies mit einer Mini-Mikrowelle, die die Muskelzellen punktuell in einer Linie um die Lungenvenen sekundenschnell auf etwa 60°C erhitzt. Direkt unter dem Katheter degenerieren die Zellen und leiten keinen Strom mehr, wodurch die Pulmonalvenen elektrisch isoliert werden. Um die punktförmigen Verödungsstellen herum erhitzt sich das Gewebe aber auch noch auf bis zu 40-50°C.  Es sind zwar nur wenige Herzmuskelzellen, die in den Randzonen mitbetroffen sind, aber diese offenbaren in den folgenden Tagen und Wochen häufig kleine elektrische Störungen, was zu Fehlimpulsen führen kann, die dann der Ursprung und Grund für Vorhofflimmern aus der frischen Ablationswunde sein können. Vorhofflimmerepisoden in den ersten Wochen nach Ablation werden nicht als Misserfolg der Prozedur gewertet und sind wie beschrieben Ausdruck der Wundheilung. Formal wird erst drei Monate nach Ablation erneut auftretendes Vorhofflimmern als echtes Rezidiv gewertet. Trotzdem möchten wir Sie bitten, sich beim Auftreten von Rhythmusstörungen umgehend mit unserer Elektrophysiologischen Ambulanz in Verbindung zu setzen, oder in unserer Notaufnahme vorstellig zu werden, um in jedem Fall zeitnah den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen.

6. Muss ich nach der Pulmonalvenenisolation weiter Rhythmusmedikamente einnehmen?
Zur Unterdrückung des Vorhofflimmern in der Wundheilungsphase (siehe Frage 5), sollten Rhythmusmedikamente in den ersten Monaten nach Ablation weiter eingenommen werden.

  1. 7. Ist  es nach einer erfolgreichen  Lungenvenenisolation erforderlich, die Blutgerinnungshemmung fortzusetzen?
    Ob eine Schlaganfallprophylaxe  mittels Gerinnungshemmern erforderlich ist, entscheidet sich für jeden Patienten individuell durch die Kombination zahlreicher Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Alter, Geschlecht usw. Auch wenn man von einer Rezidivhäufigkeit von 20-30 % ausgeht, ist das für die Patienten mit höherem Schlaganfallrisiko deutlich zu hoch, um ungeschützt darauf zu hoffen, keinen Schlaganfall zu bekommen.
  2. 8. Gibt es Gründe, weshalb Sie  sich wieder in der Klinik melden sollten?
    Insbesondere in den ersten 6 Wochen nach einer PVI ist es wichtig, sich umgehend aufgrund von neu  auftretenden körperlichen Beschwerden unbekannter Ursache in unserer Ambulanz oder Notaufnahme vorzustellen. Egal, ob es sich bei den Beschwerden um Rhythmusstörungen, Sehstörungen, blaue Flecken, Schluckstörungen, Fieber, oder allgemeine Abgeschlagenheit handelt, kann dem die extrem seltene Komplikation einer Speisenröhrenentzündung zugrunde liegen. Diese kann in Folge einer Pulmonalvenenisolation (PVI) auftreten und unbehandelt einen sehr ungünstigen Verlauf nehmen.

9. Darf ich mich nach einer Pulmonalvenenisolation wieder voll belasten?
Ziel einer PVI ist neben der Beherrschung von Symptomen auch eine Verbesserung der Belastbarkeit durch  Beseitigung des Vorhofflimmerns. Mit Wiederherstellung eines kontinuierlichen Sinusrhythmus (was dem normalen Herzrhythmus entspricht) ist von einer Steigerung der Herzleistung auszugehen. Allerdings empfinden einige Patienten trotz stabilem Sinusrhythmus direkt nach Pulmonalvenenisolation mitunter eine Verschlechterung ihrer Belastbarkeit. Meistens ist dies schlicht die Folge einer nach der Ablation überdosierten ß-Blockermedikation. Dadurch kann die Herzfrequenz bei normalem Rhythmus so langsam werden, dass die Pumpleistung des Herzens aufgrund der niedrigen Schlagzahl geringer ist als zuvor mit rasendem, aber ineffiezientem Herzschlag. Auch dieses Problem läßt sich meist rasch nach erneuter Vorstellung in unserer Rhythmusambulanz beseitigen.

10. Gibt es Nachkontrollen im Anschluss an eine durchgeführte Pulmonalvenenisolation?
3 und 12 Monate nach PVI führen wir LZ-EKG-Kontrollen durch, um die Kontinuität des normalen Sinusrhythmus zu überprüfen.