
Die zentralvenöse Gabe von Medikamenten (z.B. Schmerzmittel, Chemotherapeutika, Nährstoffpräparate) ist in der Therapie von schwerkranken Patienten (z.B. Patienten mit bösartigen Tumorerkrankungen) von besonderer Bedeutung. Bei der Langzeitbehandlung haben sich in den letzten Jahren chirurgisch in das Gefäßsystem eingesetzte Kathetersysteme, welche mit einem speziellen unter der Haut befestigtem Reservoir (="Port") verbunden sind, bewährt. In der Regel werden diese Systeme chirurgisch operativ eingebracht.
Alternativ dazu hat sich besonders in den USA ein Trend zur radiologisch-interventionellen Implantation zentralvenöser Portkatheter am Unterarm entwickelt. Vorteile dieser Portkatheterimplantation sind die geringe Belastung des Patienten, die sofortige und ambulante Durchführbarkeit sowie die leichtere Punktierbarkeit, die auch durch den Patienten selbst oder durch Familienangehörige erfolgen kann. Vorteile der interventionellen Implanation ergeben sich auch durch die Möglichkeit verschlossene oder teilverschlossene Venen unter Röntgensicht wieder eröffnen zu können.
In unserer Abteilung werden radiologisch interventionell Portkatheterimplantationen mit Zugangsweg über die Armvenen (V. basilica), über die Unterschlüsselbeinvene (Vena subclavia) und über die Drosselvene (Vena jugularis) angeboten.
Ob der Einsatz eines Portsystems sinnvoll ist und welche Vorgehensweise angezeigt ist, wird für jeden Patienten individuell von den behandelnden Ärzten der operativen und nichtoperativen Fächern gemeinsam entschieden. Bei einem ausführlichen Auf-klärungsgespräch und der körperlichen Untersuchung des Patienten wird der Implantationsort festgelegt. Vor Implantation wird durch eine Venendarstellung (Phlebographie) die Durchgängigkeit der Venen überprüft. Der Eingriff erfolgt unter sterilen Bedingungen in örtlicher Betäubung auf einem Röntgenuntersuchungstisch in der Angiographie. Durch die Röntgenkontrolle ist eine optimale Positionierung des Katheters möglich.
Die Benutzung des Portes ist theoretisch sofort nach Anlage möglich. Die Gabe von Chemotherapeutika sollte aber auf Grund möglicher Veränderungen des Blutbildes und der Gerinnungswerte erst nach Wundheilung erfolgen. Generell empfiehlt es sich bei Tumorpatienten die Portimplantation vor der ersten Chemotherapiegabe durchzuführen.

Das Portsystem besteht aus einer Titankammer mit Kunststoffmembran, die später dicht unter der Haut liegt. Der angeschlossene Silikonkatheter wird über die Armvene bis in die große Hohlvene (Vena cava) vorgeschoben. Die Haut und die darunterliegende Membran können später leicht mit einer Nadel durchstoßen werden und Medikamente gelangen über den Katheter direkt in die herznahen großen Venen und können sich gut verteilen. Auf diese Weise werden auch Reizungen an der Injektionsstelle durch konzentrierte oder aggressive Medikamente vermieden.


