Transvenöse Leberbiopsie

Im Gegensatz zur direkten computertomographisch oder sonographisch gesteuerten Leberpunktion bei fokalen Leberprozessen, ist die transvenöse Leberbiopsie zur Diagnostik diffuser Leberprozesse (Tab. 1) unter bestimmten Umständen angezeigt.

Allgemeine Indikationen zur Leberblindpunktion

  • Diagnosesicherung u./o. Verlaufskontrolle bei chronischen Leberentzündungen, Fettleberhepatitis, medikamententoxische Lebererkrankungen, u.a.
  • Diagnosesicherung u./o. Verlaufskontrolle von Abstoßungsreaktionen nach Lebertransplantation
  • Diagnosesicherung u./o. Verlaufskontrolle bei Stoffwechselerkrankungen wie Hämochromatose, M. Wilson, u.a.
  • Diagnosesicherung von Systemerkrankungen wie Amyloidose, Sarkoidose, hämatologische Erkrankungen, u.a.
  • Prognosebestimmung bei akutem Leberversagen

Der perkutane Zugang hat Risiken, die sich bei einem transvenösen Zugang vermeiden lassen (Tab. 2). Erhebliche Risikofaktoren für eine perkutane Biopsietechnik sind im Wesentlichen nicht oder nur schlecht korrigierbare Blutgerinnungsstörungen und große Aszitesmengen.

Indikationen zur Wahl eines transvenösen Zugangs bei der Leberpunktion

  • Absolute Indikation zur Wahl des transvenösen Vorgehens
  • Schlecht korrigierbare Gerrinnungsstörungen
  • Ausgeprägter Aszites
  • Simultane Durchführung anderer transvenöser hepatischer Untersuchungen (z.B. TIPS, Cholangiographie, u.a. )
  • Relative Indikation zur Wahl des transvenösen Vorgehens
  • Langzeitantikoagulation
  • Massive Fettleibigkeit (=Adipositas permagna)
  • Kleine zirrhotische (=Schrumpf) Leber
  • Darminterposition bei Chilaiditi-Syndrom
  • Mißlungene perkutane Biopsie
  • Peliosis hepatis
  • Hypervaskularisierte Raumforderung

Technik
Die transvenöse Leberbiopsie erfolgt meist von einer Drosselvene (=transjugulär) und seltener von einer Leistenvene (=transfemoral) mit unterschiedlichen Techniken. Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

  1. Transjuguläre Saugbiopsie (=Aspirationbiopsie)
  2. Transjuguläre Grobstanzbiopsie (Abb. 1)
  3. Transjuguläre oder transfemorale Zangenbiopsie (Abb. 3)
Abb. 1: Technik der transjugulären Leberbiopsie mit einer Stanzbiopsienadel (19-jähriger Patient mit Cirrhose cardiaque). / Lebervenenphleboraphie über die Schleuse.
Die Stanzbiopsienadel wird durch den in einer Lebervenenaufzweigung der rechten Lebervene eingekeilten und mittels Stahlkanüle versteiften Führungskatheter eingeführt. Die Biopsienadel ist bereits in das Lebergewebe eingebracht.
Abb. 3: Leberbiopsie-Zange. / Detailansicht der 7 F Biopsiezange und der gebogenen Spitze der 7 F Einführschleuse.
Detailansicht des Handgriffes der Biopsiezange.

ERGEBNISSE

Die transvenöse Leberbiopsie ist ein zwar relativ aufwendiges aber auch effektives (Rate adäquater Biopsien im Mittel 92%) und mit einer gemittelten Komplikationsrate um 10% relativ sicheres Verfahren zur histologischen Abklärung terminaler Lebererkrankungen bei Patienten mit Kontraindikationen gegen eine perkutanen Leberpunktion. Ihre Treffsicherheit liegt zwar gering unter der der perkutanen Punktionstechniken, zeichnet sich aber gerade bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf durch eine relativ niedrige Komplikationsrate aus.